PROJEKT

You(r) Study – Eigensinnig Studieren im 'digitalen Zeitalter’

Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, den individuellen Umgang von Studierenden mit digitalen Medien zu erforschen und zu verstehen. Neben Handlungspraktiken und -mustern im Umgang mit digitalen Medien wird u.a. nach konkreten Nutzungsmotiven und Gründen für die Nichtnutzung gefragt. Das erkenntnisleitende Interesse richtet sich vor allem auf den subjektiven Sinn, den Studierende ihrem Medienhandeln innerhalb des Studiums verleihen.
Dazu wird das Handeln der Studierenden in Orientierung an das Verfahren der rekonstruktiven Sozialforschung analysiert und interpretativ ausgewertet. In Ergänzung zu diesen Erkenntnissen sollen durch auch quantitativ Daten zum Forschungsgegenstand erhoben werden. Die Selbstwirksamkeitserwartungen der Studierenden in Bezug auf Medien wird an den sechs beteiligten Hochschulen erhoben und in Bezug zu den qualitativen Daten gesetzt. Auch die Spuren der Studierenden in Lern-Apps und den universitätseigenen Learning-Management-Systemen werden via Logfile-Analysen sichtbar gemacht und auf Aspekte des eigensinnigen Studierens hin untersucht.

Die Ausgangslage und das Forschungsziel

Die übergeordnete Forschungsfrage des dreijährigen Vorhabens lautet:

Wie verleihen Studierende mit Hilfe von digitalen Medien ihrem Studium einen eigenen Sinn?

Bei der Erschließung dieser Kernfrage, sind folgende Spielarten der Fragestellung dienlich:

  • Verleihen Studierende ihrem Studium einen eigenen Sinn?
  • Welchen Sinn verleihen Studierende den digitalen Medien innerhalb ihres Handelns?
  • Welchen Sinn verleihen Studierende den digitalen Medien innerhalb ihres Studiums?

Vorliegende wissenschaftliche Veröffentlichungen zum studentischen Medienhandeln können keine Antworten auf diese Fragen liefern, da in empirischen Studien bisher vornehmlich die Frage gestellt wurde:

Nutzen sie oder nutzen sie nicht? Und wenn ja, wieviel und was?

Aus den deskriptiven Aussagen der vorliegenden Mediennutzungsstudien lassen sich selten Schlüsse für das medien- oder hochschuldidaktische Vorgehen an Hochschulen ableiten.

Das Forschungsprojekt „You(r) Study“ beabsichtigt diese Forschungslücke zu schließen und zur Theoriebildung im Bereich „Medienhandeln im Studium“ beizutragen. Gleichzeitig sind Handlungsempfehlungen für Hochschulakteur*innen das formulierte Projektziel, um dem Ruf nach „Mehr Digitalisierung in der Lehre!“ ein „Mehr Fokus auf bestehendes studentisches Medienhandeln und dessen Potentiale“ entgegenzusetzen.

Studentisches Medienhandeln erforschen: Der Weg

Das methodische Vorgehen ist in fünf Schritte unterteilt, welche iterativ aufeinander aufbauen.

Startpunkt der Forschungsaktivitäten im Projekt bildet die systematische Sichtung der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum studentischen Medienhandeln, sowie zur digitalen Infrastruktur an Hochschulen. Die Teams der Universität zu Köln, der TU Kaiserslautern sowie der Ruhr-Universität Bochum arbeiten die bisherigen Veröffentlichungen und Erhebungen mit unterschiedlichem Fokus auf, um die Erkenntnisse in die eigene Methodik einfließen zu lassen.

Gleichzeitig erhebt das Team der Universität Tübingen im zweiten Schritt die Selbstwirksamkeitserwartung von Studierenden in Bezug auf ihr Medienhandeln an allen beteiligten Hochschulen.

Durch diese insgesamt vier Vorstudien werden die Grundlagen für eigensinniges Medienhandeln auf Subjektebene sichtbar.

Der überwiegende Anteil der Forschungsaktivitäten im Projekt fokussiert sich dann auf das studentische Medienhandeln. Im dritten Schritt werden die You(r) Study Labs eingerichtet. Hier interessiert vor allem auf der Subjektebene, welche Sinn-Zusammenhänge zwischen Studieren und Medienhandeln bestehen. Dazu werden die Handlungspraktiken von Studierenden im Umgang mit Medien

  1. mit rekonstruktiven Methoden der qualitativen Sozialforschung erhoben sowie
  2. die Studierenden dazu angeleitet, die subjektiven Sinnstrukturen ihres Studiums mit Medien zu reflektieren.

Methodisch werden demnach Verfahren der rekonstruktiven Sozialforschung eingesetzt, sowie entwicklungs- bzw. gestaltungsorientierte Verfahren aus den Bildungswissenschaften. An den Verbundhochschulen Köln, Kaiserslautern und Bochum werden deswegen Labs installiert. An den Partner- oder Kooperationshochschulen in Tübingen, Paderborn und Bamberg wird mobilen Labs geforscht.

Im Bereich der qualitativen Sozialforschung können u.a. Interviews, Gruppendiskussionen, Mapping- und Visualisierungsverfahren, Feldbeobachtungen, Videographie und Clienttracking eingesetzt werden, um die Handlungspraktiken rund um digitale Medien im Studium qualitativ zu erfassen. Darüber hinaus wird eigensinniges Medienhandeln in den You(r) Study Labs aber auch explizit gefördert, so durch Studienprojekte und Studierendenwettbewerbe an den beteiligten Hochschulen. Die Studierenden werden dabei darin gefödert, in eigenständigen Projekten ihr individuelles Medienhandeln in Weblogs und E-Portfolios zu reflektieren. So können diese Artefakte rekonstruktiv ausgewertet werden. Die Aufbereitung, Auswertung und Interpretation der gesammelten qualitativen Daten aus den Labs erfolgt in enger Abstimmung unter den forschenden Verbundpartnerinnen und in gemeinsamen Workshops.

Im vierten Schritt werden Methoden des data mining eingesetzt, um auch von einer strukturellen Perspektive auf das Phänomen des Medienhandelns zuzugehen. Lernapps oder die universitären Learning-Management-Systeme werden auf Spuren zu eigensinnigem Medienhandeln untersucht.

Im letzten Schritt werden die Erkenntnisse sowohl für die Wissenschaft wie auch für die Hochschulpraxis aufgearbeitet. Neben Publikationen und Konferenzbeiträgen in der Fachcommunities werden Handlungsempfehlungen für unterschiedliche Akteur*innen der Hochschule (Lehrende, zentrale Einheiten, Hochschulleitung) veröffentlicht.

Veröffentlichungen

Aßmann, S., Brahm, T., Hofhues, S., Ruhe, A.-H. & Schiefner-Rohs, M. (angenommen). „Sich an die Fersen heften“ – anthropologische und forschungsethische Herausforderungen der Erhebung eigensinnigen Medienhandelns an der Hochschule. medien + erziehung (merz) Wissenschaft 2017. (weitere Daten noch nicht bekannt.)

Aßmann, S. (2014): Doing Connectivity. Medienhandeln als Praxis des Miteinander-in-Beziehung-Setzens. In: Kammerl, R./ Unger, A./ Grell, P./ Hug, Th. (Hrsg.): Jahrbuch Medienpädagogik 11. Diskursive und produktive Praktiken in der Digitalen Kultur. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 139-154.

Aßmann, S. (2013): Medienhandeln zwischen formalen und informellen Kontexten: Doing Connectivity. Wiesbaden: VS Verlag.

Aßmann, S. (2010): Medienhandeln als kontextübergreifender Lernprozess. In: Hug, Th./ Maier, R. (Hrsg.): Medien – Wissen – Bildung: Explorationen visualisierter und kollaborativer Wissensräume. Innsbruck: Innsbruck University Press, S. 102-115.

Brahm, T., Jenert, T., Wagner, D. (2016). The crucial first year: a longitudinal study of students’ motivational development at a Swiss Business School. Higher Education, 73(3), 459–478. doi:10.1007/s10734-016-0095-8.

Brahm, T., Jenert, T. (2015). On the assessment of attitudes towards studying – Development and validation of a questionnaire. Learning and Individual Differences, 43, 233-242. doi:10.1016/j.lindif.2015.08.019.

Brahm, T. (2015). Ein Plädoyer für methodischen Pluralismus in der beruflichen Lehr-Lern-Forschung. bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online Ausgabe 28, 1‑16. Online: http://www.bwpat.de/ausgabe28/brahm_bwpat28.pdf (24-08-2015).

Brahm, T. (2011). Entwicklung von Teamkompetenz durch computergestütztes kollaboratives Lernen in der Berufsausbildung: Teamreflexivität als möglicher Einflussfaktor. Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 1 (107), 55‑76.

Buck, C., Hofhues, S., Schindler, J. (2015). Künstlerische Forschung unter Bildungsperspektive: individualisierte Studienprogramme? Zeitschrift für Hochschulentwicklung. 10(1), 53-77.

Dürnberger, H., Hofhues, S. (2010). Gestaltung von Rahmenbedingungen für das forschende Lernen. Zeitschrift für Hochschulentwicklung. 5(2), 47–61.

Herzig, B., Aßmann S., Klar, T.-M. (2014): Grundbildung Medien im Profilstudium im Lehramt. In: Imort, P./ Niesyto, H. (Hrsg.): Grundbildung Medien in Pädagogischen Studiengängen. Reihe: Medienpädagogik interdisziplinär. München: kopaed, S. 65-80.

Hofhues, S. (2015). Informelles Lernen mit digitalen Medien in der Hochschule. In M. Rohs (Hrsg.), Handbuch Informelles Lernen (S. 1–14). Heidelberg: Springer VS.

Hofhues, S., Aßmann, S., Kaspar, K. (2017). „Auf den Kontext kommt es an!“ Dem smarten Lernen mit Medien auf der Spur. In U. Dittler (Hrsg.), E-Learning 4.0: Mobile Learning, Lernen mit Smart Devices und Lernen in Sozialen Netzwerken (S. 124-138). München: Oldenbourg.

Hofhues, S., Heudorfer, A. (2013). Students’ Publishing Projects and their Impact on Teaching and Learning. In M. Patrut & B. Patrut (eds.), Social Media in Higher Education: Teaching in Web 2.0 (pp. 179–196). New York: IGI Global.

Hofhues, S., Reinmann, G., Schiefner-Rohs, M. (2014). Lernen und Medienhandeln im Format der Forschung. In O. Zawacki-Richter, D. Kergel, N. Kleinefeld, P. Muckel, J. Stöter, J. & K. Brinkmann (Hrsg.), Teaching Trends14. Offen für neue Wege: Digitale Medien in der Hochschule (S. 19-36). Münster: Waxmann.

Hofhues, S., Schiefner-Rohs, M. (2013). Education Beyond Facebook. Critical Reflections on the Current State of ICT in Higher Education. In B. Patrut (ed.), Social Media in Academia: Research and Teaching. Proceedings of SMART 2013 (pp. 251-256). Bologna: Medimond.

Jenert, T., Brahm, T., Gommers, L., Kühner, P. (2017) How do they find their place? A typology of students‘ enculturation during the first year at a business school. Learning, Culture and Social Interaction. doi:http://dx.doi.org/10.1016/j.lcsi.2016.12.001.

Kaspar, K., Aßmann, S., Konrath, D. (2016): Studierende als Gestalter*innen einer kollektiven virtuellen Lernumgebung. In: Mayrberger, K./ Fromme, J./ Grell, P./ Hug, T. (Hrsg.): Vernetzt und entgrenzt – Gestaltung von Lernumgebungen mit digitalen Medien. Jahrbuch Medienpädagogik 13. Wiesbaden: Springer VS, S. 195-211.

Kuhn, J., Schiefner-Rohs, M., Gomez-Tutor, C., Schneider, M. (i.Vorb.). Themenheft #Lehrerbildung. Lehren und Lernen mit digitalen Medien in der Lehreraus-, -fort- und -weiterbildung. Heft 1 / 2017 der Zeitschrift Lehrerbildung auf dem Prüfstand. Landau.

Schiefner-Rohs, M., Hofhues, S. (in Druck). Prägende Kräfte. Medien und Technologie(n) an Hochschulen. In J. Othmer, A. Weich & K. Zickwolf (Hrsg.), Medien, Bildung und Wissen in der Hochschule. Springer: VS (weitere Daten noch nicht bekannt).

Schiefner-Rohs, M. (2017). Tablets in der Schule aus der Perspektive der Lehrerbildung: Schnittstelle Referendariat. Beitrag für J. Bastian & S. Aufenanger (Hrsg.). Tablets in Schule und Unterricht. Forschungsmethoden und -perspektiven zum Einsatz digitaler Medien (S. 277-297). Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.

Schiefner-Rohs, M. (2014). Metaphern und Bilder als Denkräume zur Gestaltung medialer Bildungsräume – Erste Sondierungen. In K. Rummler (Hrsg.), Lernräume gestalten – Bildungskontexte vielfältig denken (S. 68-78). Reihe Medien in der Wissenschaft. Münster: Waxmann.

Schiefner-Rohs, M. (2012). Kritische Informations- und Medienkompetenz. Theoretisch-konzeptionelle Herleitung und empirische Betrachtungen am Beispiel der Lehrerausbildung. Internationale Hochschulschriften. Münster: Waxmann.

Verbundprojektleitung:

Jun.-Prof. Dr. Sandra Hofhues, Professur für Mediendidaktik/Medienpädagogik, Universität zu Köln

Teilprojektleitungen:

Prof. Dr. Sandra Aßmann, Professur für Soziale Räume und Orte des non-formalen und informellen Lernens, Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Taiga Brahm, Professur für Ökonomische Bildung und Wirtschaftsdidaktik, Universität Tübingen
Jun.-Prof. Dr. Mandy Schiefner-Rohs, Professur für Pädagogik mit Schwerpunkt Schulentwicklung, Technische Universität Kaiserslautern

Kooperationen:

Prof. Dr. Karl-Heinz Gerholz, Professur für Wirtschaftspädagogik, Universität Bamberg
Jun.-Prof. Dr. Robert Kordts-Freudinger, Professur für Pädagogische Psychologie, insbesondere hochschulisches Lehren und Lernen, Universität Paderborn

Laufzeit:

01.03.2017 bis 28.02.2020

Das Projekt wird gefördert vom:

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Förderlinie: Förderung von Forschung zur digitalen Hochschulbildung
Förderkennzeichen: 16DHL1016; 16DHL1017; 16DHL1018; 16DHL1019.